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Zeitmanagement auf der Makro- und Mikroebene: Deine Ziele ohne schlechte Laune erreichen

Nichts geht voran – die Zeit wird knapper, deine schlechte Laune größer, das Erreichen einer Deadline oder eines Ziels rückt in immer weitere Ferne? Das kenne ich gut. Ich habe einige Jahre gebraucht, um ein für mich gut funktionierendes System des Zeitmanagements zu finden, das mich meinen beruflichen Zielen näher bringt. Denn ich neige dazu, sehr viele Aufgaben parallel zu bearbeiten – was dazu führt, dass keine einzige zeitnah fertig wird. Und bei Aufgaben, die ich nicht besonders interessant finde, prokrastiniere ich auch ganz gerne, wenn ich mir darüber nicht bewusst werde…

Wichtig ist: Ich kenne kaum jemanden, der nicht hin und wieder mit solchen Herausforderungen des Zeitmanagements und der Selbstorganisation kämpft. Probleme in diesem Bereich sind also weit verbreitet – und das Studium ist eine hervorragende Gelegenheit, um zu üben und ein für dich passendes Zeitmanagementsystem zu finden. Mit jeder Hausarbeit, Klausur oder Abschlussarbeit kannst du etwas Neues testen oder deinen bisherigen Ansatz finetunen. Dabei wird auch mal etwas schief gehen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass du mit etwas Ausprobieren ein für dich gut funktionierendes System finden wirst.

In meinen Augen ist es wichtig, dabei sowohl das große Ganze (die Makroebene) als auch deinen individuellen Arbeitstag (die Mikroebene) im Blick zu behalten. Denn einerseits musst du auf der Makroebene oft langfristig für verschiedene Ziele und Projekte planen, die kurz aufeinander folgende Deadlines haben (z.B. verschiedene Prüfungen am Semesterende). Gleichzeitig sollte dein Arbeitstag auf der Mikroebene so strukturiert sein, dass du diesen Zielen rechtzeitig und kontinuierlich näher kommst. Das Vernachlässigen eines Aspektes führt meiner Erfahrung nach über kurz oder lang zu Frust beim anderen.

Sowohl für die Makro- als auch für die Mikroebene gibt es eine Vielzahl von Taktiken und digitalen Tools, die dich unterstützen können. Allerdings funktioniert nicht jede Technik für jede:n gleich gut. Daher lohnt es sich, ein bisschen zu experimentieren um herauszufinden, womit du gerne arbeitest. Im folgenden stelle ich dir sowohl einige übergeordnete Gedanken zur Entwicklung eines guten Zeitmanagementsystems als auch Beispiele für konkrete Tools auf der Makro- und Mikroebene vor.

1. Übergeordnete Gedanken zur Entwicklung eines guten Zeitmanagementsystems

Für die Entwicklung eines funktionierenden Zeitmanagementsystems ist es meiner Erfahrung nach sehr hilfreich, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Allerdings beziehen sich diese nicht nur auf die Nutzung bestimmter Techniken, sondern umfassen noch mehr Bereiche der Lebensgestaltung. Mache dir doch einmal Gedanken, ob einige der folgenden Punkte auch Impulse für dein Zeitmanagementsystem liefern könnten:

  • Sei ehrlich zu dir selbst: Hast du dich in deinem letzten Arbeitsblock wirklich nicht durch Nachrichten auf deinem Smartphone ablenken lassen? Ist das Ziel, dass du dir für die nächste Woche gesetzt hast, tatsächlich in der vorhandenen Zeit zu erreichen? Kannst du gerade deine normale Arbeitsleistung ausschöpfen (ich sitze z.B. gerade im Homeoffice bei 30 Grad in einer Dachgeschosswohnung – die klare Antwort ist: nein!)? Ehrlichkeit mit sich selbst ist meiner Erfahrung nach eine wichtige Voraussetzung, um das eigene Zeitmanagementsystem anzupassen. Wenn du dir z.B. eingestehen kannst, dass du dich ständig ablenken lässt, kannst du etwas auf der Mikroebene ändern. Wenn du dir darüber bewusst bist, dass deine normale Arbeitsleistung gerade nicht möglich ist, kannst du mehr Zeit auf der Makroebene einplanen. Und vielleicht wird du dich auch von dem ein oder anderen Ziel verabschieden, weil Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen…
  • Setze dir erreichbare Ziele: Dieser Grundsatz ist eng verknüpft mit dem Punkt davor – nur erreichbare Ziele tragen dazu bei, dass du nicht ständig frustriert bist, weil du deine Ziele immer verfehlst. Häufige Erfolgserlebnisse auch durch das Erreichen kleinerer (Teil-)Ziele werden deine Laune ungemein verbessern! Beim Festlegen erreichbarer Ziele geht es nicht nur um die Art eines Ziels, sondern auch um die Frage, ob du ein Ziel innerhalb eines bestimmten Zeitraums umsetzen kannst. Wenn du z.B. in einem Semester einen zeit-fressenden Nebenjob hast und vielleicht noch bestimmte Care-Aufgaben in der Familie übernimmst, solltest du das auch bei der Planung deiner Studienziele für das Semester einbeziehen. Das Setzen von erreichbaren Zielen erfordert allerdings etwas Übung – du musst dafür gut einschätzen können, wie viel zeitlichen Einsatz ein Ziel erforderlich macht . Dies ist ein wichtiger Teil deiner Makroplanung. Ein hilfreiches, konkretes Tool um klare und erreichbare Ziele zu formulieren, ist die SMART-Methode. Darüber hinaus gilt: Nobody ist perfect! Manchmal lohnt es sich Aufwand und Nutzen ganz genau abzuwägen – vielleicht kannst du dein übergeordnetes Studienziel nicht nur mit einer sehr gut bestandenen Klausur, sondern auch einer bestandenen Klausur erreichen und die so gewonnene Zeit besser in etwas anderes investieren?
  • Nimmt deine Erfolge bewusst wahr und feiere sie: Du hast es geschafft, dich heute bei der Erledigung der geplanten Aufgaben nicht vom Handy ablenken zu lassen? Du saßt schon um 9Uhr am Schreibtisch, obwohl durch eigentlich eine furchtbare Langschläferin bist? Du hast das Skript einer Vorlesung vollständig für eine Klausur vollständig zusammen gefasst? Du hast die Klausur mit deiner Wunschnote bestanden? Herzlichen Glückwunsch – nimmt dir kurz Zeit, deinen Erfolg bewusst wahrzunehmen und feiere dich dafür. Vielleicht magst du auch über eine kleine Selbstbelohnung nachdenken – z.B. ein schöner Spaziergang im Wald oder ein Abend mit Freunden? Wichtig dabei ist, dass du dich nicht nur auf die großen Erfolge wie die bestandene Klausur konzentrierst, sondern auch das Erreichen kleinerer Ziele anerkennst. Den regelmäßigen Blick auf das bereits Geschaffte finde ich als überaus motivierend! Falls es dir auch so geht, ist vielleicht ist auch die Erstellung von Ta-Da Listen etwas für dich…
  • Schaffe dir eine angenehme Arbeitsumgebung und umgib dich mit Dingen, die du magst: Achte wenn möglich bei der Auswahl deines Arbeitsplatzes darauf, dass du gesunderhaltend sitzen kannst und genug Licht und Ruhe vorhanden sind. Ein Schreibtisch in der richtigen Höhe und ein guter Stuhl sind hier auf jeden Fall sehr sinnvolle, langfristige Investitionen. Eine externe Tastatur und ein externer Bildschirm ermöglichen eine gute Körperhaltung und beugen Rücken- und Nackenschmerzen vor. Denn vermutlich wirst du sehr viel Zeit an deinem Arbeitsplatz verbringen. Ich persönlich finde es da sehr hilfreich, wenn meine Arbeitsmaterialien nicht nur funktional sind, sondern mir auch gefallen. Das kann neben dem toll gleitenden Kuli auch einfach die schöne Kaffeetasse sein, die ich gerne beim Arbeiten benutze. Genauso habe ich mehr Spaß an der Nutzung von Software, wenn mich ihr Design optisch anspricht (hier gibt es übrigens Tipps zur Auswahl von Produktivitätstools). Und ich bin ein großer Fan davon, meinen Arbeitsplatz jeden Abend kurz aufzuräumen. Dann kann ich am nächsten Morgen direkt los starten!
  • Sorge für einen Ausgleich zum Studium bzw. zur Arbeit: Wir sind alle unterschiedlich – und ziehen unsere Energie und Kreativität aus verschiedenen Quellen. Während die eine am liebsten mit vielen Leuten auf einer Party unterwegs ist, genießt der andere lieber eine ruhige Zeit bei einem Spaziergang alleine oder zu zweit im Wald. Werde dir über deine Energiequellen bewusst und plane von vorne herein Zeit neben dem Studium ein, um sie bewusst und ohne schlechtes Gewissen anzuzapfen. Das kann z.B. die Pflege von Beziehungen, Sport und/oder ein bestimmtes Hobby ist. Wenn all diese Dinge dauerhaft zu kurz kommen, leidet meiner Erfahrung nach irgendwann nicht nur deine gute Laune, sondern auch dein Studium.
  • Sei nett zu dir selbst und deinem Körper: Jeder Mensch hat bessere und schlechtere Tage – und kann entsprechend auch mal mehr oder weniger leisten. Genauso gehören Misserfolge zum Leben. In meinen Augen ist es nicht immer hilfreich, wenn du hier selbst dein größter Kritiker bist – erlaube dir auch, mal zu scheitern und einen neuen, gut durchdachten Anlauf zu machen. Genauso wird dein Körper es dir danken, wenn du auf ihn achtest – z.B. mit Blick auf einen rückenschonenden Arbeitsplatz, genug Pausen und Schlaf sowie gesundem Essen.
  • Fange klein an, aber bleibe dabei: Die Entwicklung eines für dich gut funktionierenden Zeitmanagementsystem klappt wahrscheinlich nicht von heute auf morgen. Wir sind schreckliche Gewohnheitstiere und brauchen oft viel Zeit, um auch nur kleinere Dinge und Gewohnheiten zu verändern. Eine Faustregel ist, dass wir ein verändertes Verhalten mindestens 30 Tage umsetzen müssen, um das neue Verhalten zu etablieren (z.B. zu einer bestimmten früheren Uhrzeit aufstehen). Dabei ist es auch völlig normal, dass es mal nicht klappt. Wichtig ist dann: Gibt nicht sofort auf und versuche es einfach am nächsten Tag wieder. Je länger du dran bleibst, desto wahrscheinlicher ist eine Veränderung. Und denke daran: Erreichbare Ziele und kleine Schritte funktionieren besser als riesige und damit fast unlösbar erscheinende Aufgaben.
  • Lass dich inspirieren und suche ggf. Unterstützung: Vielleicht ist bereichert dich auch der Kontakt zu anderen im Zusammenhang mit dem Thema Zeitmanagement und Selbstorganisation. Hierfür kommen verschiedene Formate in Frage – z.B. der Austausch mit Freunden und Familie, aber auch das Folgen von dir sympathischen und dich inspirierenden Accounts bei Youtube oder Instagram. Vielleicht findest du hier regelmäßig motivierende Anstöße. Darüber hinaus bieten die meisten Universitäten auch professionelle Workshops und Beratungsangebote zur verschiedenen Themen des Zeitmanagements an – von der Planung des Studiums bis hin zum Umgang mit bestimmten Themen wie Prokrastination.

2. Zeitmanagement auf der Makroebene

Auf der Makroebene planst du langfristig für verschiedene große Ziele und Projekte. Wichtig dabei ist, regelmäßig einen Review durchzuführen und zu schauen, wie es mit dem Erreichen bestimmter Ziele geklappt hat und die Planung ggf. anzupassen (z.B. für Wochenziele am Ende der Woche, für Monatsziele am Ende des Monats usw.). Damit wirst du auch immer besser einschätzen können, wie viel Zeit für bestimmte Aufgaben erforderlich ist. Mit Blick auf ein Studium gebe ich dir nachfolgend verschiedene Beispiele für (Teil-)Ziele und Projekte, die Bestandteil deiner Makroplanung werden könnten. Reviews bieten sich am Ende des jeweiligen Zeitraums an.

  1. 3- bzw. 5 Jahresziele: Was möchtest du in drei bzw. fünf Jahren erreicht haben? Das könnte z.B. der Abschluss deines Bachelor- oder Masterstudiums mit Absolvierung eines Auslandssemesters sein.
  2. Jahresziele: Was möchtest du in den nächsten zwölf Monaten erreichen, um deinen übergeordneten Zielen näher zu kommen? Das könnte z.B. das Bestehen von bestimmten Klausuren sein, die dir dann das Belegen von weiteren Wunschkursen im nächsten Jahr ermöglichen.
  3. Quartalsziele: Was möchtest du in den nächsten drei Monaten erreichen, um deinem Jahreszielen näher zu kommen? Hier könnte z.B. die Bewerbung um einen Auslandsstudienplatz im kommenden Semester oder das Lernen für einen ganz bestimmte Klausur auftauchen. Eine Alternative für Quartalsziele können auch Semesterziele sein.
  4. Monatsziele: Welche Aufgaben möchtest du in den nächsten vier Wochen umsetzen, um einem bestimmten Quartalsziel näher zu kommen? Das könnte mit Blick auf eine Klausur z.B. das Erstellen von Lernmaterialien über die Vorlesungsinhalte der kommenden vier Wochen beinhalten.
  5. Wochenziele: Welche Aufgaben möchtest du in der nächsten Woche umsetzen, um deinem Monatsziel näher zu kommen? Das könnte z.B. die wöchentliche Vor- und Nachbereitung einer Vorlesung sein, für die du in diesem Semester die Klausur schreiben möchtest und für die du als Monatsziel das regelmäßige Erstellen von Lernmaterialien festgelegt hast.

Die Wahl dieser Abschnitte ist beliebig – vielleicht möchtest du lieber mit Halbjahres statt Quartalszielen arbeiten und benötigst keine Monatsziele? Hier ist auch etwas Ausprobieren gefragt.

Wichtig für mich ist es, die Ziele und dafür erforderliche Deadlines zu visualisieren – und zwar so, dass du alles nebeneinander siehst. Das hilft dir, um größere Ziele in Teilziele und Aufgaben herunter zu brechen und realistisch einzuschätzen, was du tatsächlich in einem bestimmten Zeitabschnitt erreichen kannst. Besonders hilfreich ist es dabei, auch zeitliche Erfordernisse deines Privatlebens mit einzubeziehen (vielleicht ist es nicht realistisch, fünf Hausarbeiten in einem Semester zu schreiben, wenn du einen Großteil der Semesterferien mit einem Roadtrip verplant hast…). Ein wichtiges Werkzeug zur Makroplanung ist also auf jeden Fall ein Kalender! Du musst die Makroplanung übrigens nicht zum Jahreswechsel beginnen, wenn das auch oft ein schöner Anlass ist. Du kannst einfach jederzeit loslegen!

Verschiedene Tools können deine Makroplanung unterstützen. Dazu zählen neben (elektronischen) Tabellen, die z.B. Ziel/Aufgabe, den erforderlichen Zeitaufwand und eine Deadline enthalten, auch klassische Projektplanungstools wie Gantt-Diagramme oder Projektplanungsvorlagen in Notiz- und Produktivitätsprogrammen wie Evernote, Trello, Notion oder ToDoIst.

Wichtig ist meiner Erfahrung nach hierbei: Nutze nicht zu viele unterschiedliche Werkzeuge, sondern versuche möglichst alles an einem Ort (z.B. ein Notizbuch, eine Excel-Tabelle oder ein Programm) zu bündeln.

3. Zeitmanagement auf der Mikroebene

Dein Arbeitstag auf der Mikroebene sollte so strukturiert sein, dass du deinen übergeordneten Zielen aus der Makroplanung rechtzeitig und kontinuierlich näher kommst. Das Vernachlässigen des einen Aspektes, also der Makro- oder Mikroplanung, führt meiner Erfahrung nach über kurz oder lang zu Unordnung und damit schlechter Laune beim anderen. Regelmäßige Reviews und Anpassungen lohnen sich hier also sehr.

Übergeordnete Hilfen für deine Selbstorganisation auf der Mikroebene sind: Mache regelmäßig Pausen und bedenke, dass deine tägliche Konzentrationszeit begrenzt ist. Gerade bei Aufgaben, die eine hohe Konzentration erfordern, hilft meiner Erfahrung nach „viel nicht immer viel“. Es ist viel effizienter, wenn du intensiv, aber kürzer an einer Aufgabe sitzt – anstatt stundenlang kaum vorwärts zu kommen, weil die Konzentration weg ist (spätestens wenn du normale Sätze immer wieder lesen musst, um sie zu verstehen, ist das ein Warnzeichen). Das kann allerdings nur stressfrei funktionieren, wenn du rechtzeitig mit der Bearbeitung einer Aufgabe angefangen hast! Am besten kannst du sogar ein paar „Jokertage“ für nicht so produktive Tage einplanen. Darüber hinaus profitierst du sehr, wenn du deine produktivsten Tageszeiten kennst und den Hauptteil deiner Arbeitszeit in diese Zeitblöcke legst

Für die Mikroplanung bzw. dem Erreichen deiner Tagesziele stehen dir verschiedene Tools zur Verfügung, die unterschiedliche Zwecke erfüllen. Ich stelle dir eine kurze Auswahl meiner liebsten Werkzeuge vor:

  • Tägliche Aufgaben und Tagesziele – To-do-Liste: Für die Visualisierung meiner täglichen Aufgaben bevorzuge ich eine To-do-Liste, in der ich die Aufgaben nach ihrer Dringlichkeit priorisiere. Dabei ist es meiner Erfahrung nach hilfreich, wenn deine tägliche To-do-Liste nicht zu umfangreich wird und du sie damit gut innerhalb deines Arbeitstages abarbeiten kannst. Hierfür ist es oft sinnvoll, größere Aufgaben in Teilaufgaben herunter zu brechen und auf mehrere Tage zu verteilen. Achtung: Meiner Erfahrung nach passiert täglich irgendwas Unvorhergesehenes und du solltest höchstens zwei Drittel deiner täglichen Arbeitszeit mit festen To-dos verplanen. Bei Aufgaben, für die die Zeitplanung aufgrund eines unbekannten Zeitaufwands sehr schwierig ist, kann dir manchmal das Festlegen eines Zeitlimits für die tägliche Bearbeitung dieser Aufgabe helfen. So kannst du Frust mit nicht erreichten Zielen vermeiden. Ein Beispiel ist die Literaturrecherche für eine wissenschaftliche Arbeit, zu deren Beginn du noch nicht weißt, wie viele Texte du wirklich im Detail lesen musst. Da das detaillierte Lesen eines Textes deutlich länger dauert als das Überfliegen, kann es anfangs durchaus Sinn machen, als Ziel „2 Stunden konzentriert lesen“ anstatt „2 Texte lesen“ zu formulieren. Du kannst deine To-do-Liste sowohl auf Papier als auch elektronisch führen. Das Eisenhower-Prinzip kann dir übrigens dabei helfen, deine Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu priorisieren.
  • Unangenehmes von Tisch bekommen – Eat the frog first: Die Idee dieser Methode ist es, die unangenehmste Aufgabe des Tages zuerst zu erledigen – um dann für den Rest des Tages entspannter arbeiten zu können. Das Unangenehme kann sich dabei auf die Schwierigkeit der Aufgabe beziehen. Die Tageszeit, zu der ich am produktivsten bin, ist beispielsweise der Vormittag – darum erledige ich hochkomplexe Aufgaben gerne hier. Es kann aber auch eine Aufgabe sein, die dir so gar keine Freude bereitet und die du darum gerne vor dir her schiebst (bei mir sind das z.B. Dienstreiseabrechnungen). Wenn du die Aufgabe direkt zu Beginn deines Arbeitstages angehst, wird das Wegschieben deutlich schwieriger!
  • Konzentriert arbeiten – Pomodoro-Technik: Die Pomodoro-Technik zielt darauf ab, in bestimmten Zeitintervallen ununterbrochen zu arbeiten und so deine Produktivität zu steigern. Danach folgt eine wohlverdiente Pause. Diese Methode eignet sich besonders gut, wenn du dich leicht von anderen Dingen ablenken lässt und adressiert unsere begrenzte Konzentrationsfähigkeit. Klassischerweise benutzt man eine Küchenuhr, um die Arbeits- und Pausenintervalle zu timen. Eine Handy-Timer oder eine der unzähligen Pomodoro-Apps funktioniert aber genauso gut. Ein gängiges Muster, dass du beliebig für dich anpassen kannst, sind vier 25-minütige Arbeitsphasen, denen jeweils eine kurze fünfminütige Pause folgt. Nach vier solchen Abschnitten oder „Pomodoros“ kommt dann eine längere Pause. Wichtig ist hier große Ehrlichkeit mit sich selbst, um sich tatsächlich nicht ablenken zu lassen. Wenn das klappt, wirst du aber erstaunt sein, wie viel du schaffst!
  • Ein gutes Dateiablage und -sicherungssystem entwickeln: Benötige Arbeitsmaterialien in digitalen oder physischen Ordnern erst mal lange suchen zu müssen nervt – und kostet Zeit. Daher lohnt es sich, in ein systematisches, auf dich persönliches zugeschnittenes Dateiablagesystem zu investieren. Das sammelt z.B. alle Dokumente eines Projektes (z.B. ein Kurs, deine Abschlussarbeit) möglichst an einem Ort, also z.B. in einem Ordner. Gleichzeitig sollten die Dateien so eindeutig benannt sein, dass du sie direkt zuordnen kannst. Ggf. bietet sich auch die Nutzung einer Organisations – und Notizanwendung wie Evernote an, in der du deine Dokumente zusätzlich noch verschlagworten kannst. Gleichzeitig ist es furchtbar ärgerlich, wenn dir wichtige Dateien abhanden kommen – z.B. durch einen Festplattencrash. Der Nutzen regelmäßiger Sicherungen (z.B. in einer Cloud) ist also nicht zu unterschätzen!
  • Kleine Rituale: Mir hilft es ungemein, meinen jeweiligen Arbeitstag mit einem kleinen Ritual zu beginnen und abzuschließen – es scheint fast so, also ob mein Gehirn sich dann auf die anstehende Phase besonders gut einstellen kann. Bei mir sind das schlicht und einfach morgens ein großer Cappuccino und abends ein Review meiner Tagesziele, das Schreiben der To-do-Liste für den nächsten Arbeitstag und das Aufräumen meines Arbeitsplatzes.

4. Bullet-Journaling: alles in einem?

Ich persönlich greife nun schon seit mehreren Jahren für mein Zeitmanagement auf die Methode des Bullet Journaling zurück. Dabei handelt es sich um ein persönliches Organisationssystem, das neben der Makroplanung auch die tägliche Mikroplanung in einem Notizbuch zusammen führt. Entwickelt wurde das System von dem Designer Ryder Carroll. Es umfasst bestimmte Symbole für das Notieren von Terminen, Aufgaben und Gedanken. Dein Bullet-Journal kann sehr individuell gestaltet werden und beinhaltet neben deinen langfristigen Zielen auch konkrete To-do-Listen. Gleichzeitig fungiert das Bullet Journal als Kalender und du kannst auch Elemente wie Brainstormingseiten, Mindmaps oder Sammlungen (z.B. Bücher, die du unbedingt lesen willst) einfügen.

Mich fasziniert am Bullet Journaling, dass ich neben der sehr übersichtlichen und effektiven Planung auch handschriftliche Notizen in meinen sonst sehr elektronisch geprägten Arbeitsalltag integrieren kann. Das hilft mir, über die Inhalte und damit meine Planung noch mal bewusst nachzudenken und ist gleichzeitig eine willkommene Abwechslung zur Bildschirmarbeit. Darüber hinaus kann ich hier auch ein bisschen meine Zeichenlust ausleben: du kannst dein Bullet Journal sehr nüchtern oder eben auch farbenfroher und kreativer gestalten.

Für den Einstieg in das Bullet Journaling gibt es verschiedene Ratgeber (z.B. das Buch von Ryder Carroll oder die Einführung von Jasmin Arensmeier) und unzählige Online-Tutorials. Du kannst für den Start auf völlig leere Notizbücher zurückgreifen oder mit einer schon etwas vorstrukturierten Vorlage starten – je nachdem, wie aktiv du bei der Gestaltung werden willst. Darüber hinaus kann man das System des Bullet Journaling auch rein elektronisch verwenden (z.B. in mehreren Word-Dokumenten oder in entsprechenden Apps). Deiner individuellen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Allerdings: Die Methode erfordert etwas Einarbeitungsaufwand!

Beispiele für Bullet Journal-Designs und Seiten findest du übrigens in meinem Pinterest-Feed.

5. Fazit und Überblick über verschiedene Tools des Zeitmanagements

Nachfolgend gibt es noch mal eine Übersicht über verschiedene Tools für Selbstorganisation und Zeitmanagement. Wichtig ist: Du brauchst auf gar keinen Fall alle Tools! Weniger ist oft mehr – die Tabelle ist eher als Inspiration zum Ausprobieren gedacht. Suche dir also heraus, was gut zu dir passt und was du gerne nutzt.

ZWECKTOOLs
Ziele formulierenSMARTe Ziele, Mindmaps
Sich eigene Erfolge und das Erreichen von Zielen bewusst machenTa-Da-Listen
Makroplanung visualisieren und umsetzenKalender, Tabellen, Gantt-Diagramme, Kanban-Projektplanung, Bullet Journal, Notiz- und Produktivitätsprogramme (z.B. Evernote, OneNote, Trello, ToDoIst, Notion…)
Tägliche Aufgaben visualisieren und priorisierenTo-do-Liste, Eisenhower-Prinzip
Konzentriert ArbeitenPomodoro-Technik, Eat the frog first
Dokumente schnell wiederfindenEntwicklung eines systematischen Dateiablage- und sicherungssystems
Übersicht über verschiedene Tools zur Zeitplanung

Und behalte immer im Hinterkopf: Die Entwicklung eines guten persönlichen Zeitmanagementsystems ist ein Prozess und klappt selten von heute auf morgen. Gleichzeitig kann es auch sehr viel Freude machen, wieder etwas gefunden zu haben, „was funktioniert“!

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